Freitag, 23. April 2010

Jedem Abschied wohnt ein Anfang inne, schluchz




Da hilft nichts mehr, der Abschied ist sehr konkret und greifbar. Morgen, also am Sonntag, fahre ich mit dem Zug nach Brisbane und fliege am Montag mittags nach Bali. Von dort gehts am 6. Mai nach Manado in Sulawesi wo ich mich um verwaiste Orangutans und andere Wildtiere fuer zwei Wochen kuemmern werde. Alles gar nicht ganz einfach, gibt es doch wieder einmal unzaehlige Dinge zu organisieren: Flug nach Sulawesi ueber eine dubiose indonesische Seite finden, Preis der Freiwilligenarbeit verhandeln, steht doch auf der Homepage circa die Haelfte des Preises, den man mir in der Mail mitgeteilt hat. Ich gucke schon genau auf mein Budget! Am 26. Juni komme ich in Deutschland an. Ich konnte einen billigen Flug von Kuala Lumpur in Malaysia ergattern.

Und dann ist da natuerlich auch noch das Ende in Bundaberg. Es war schon noch richtig schoen hier. Die Welpen sind zu putzig, das Essen unuebertroffen und Robyn meinte mit den Traenen kaempfend sie sei doch meine australische Mama und ueberhaupt sei man sehr dankbar fuer meine Hilfe hier. Robyn sieht man auf dem Photo, mit dem Kommentar, "hang on a second, I just need to shoot this chickenhawk". Sie ist ziemlich dufte, wie man frueher mal sagte. Mit Leo verbringe ich noch den heutigen Tag und morgen faehrt er mich zum Bahnhof. Die Zeit wird zeigen, was er aus seiner Chance hier macht. Nette Menschen, gutes Essen, die besten Vorsaetze und ein gesunder Lebensstil. Eigentlich ideal.

Und dann war da noch die Steuererklaerung fuer Neuseeland und Australien zu machen, die Frage zu klaeren, ob ich mein Visa verlaengere und dafuer Material zu sammeln. Das war alles einiges an Organisation und hat mich gut beschaeftigt gehalten. Eine gute Ausrede, nicht ganz so viel zu schreiben, wie geplant. Wenn ich auch bei der Schreibergruppe war und mit die schlechtesten Gedichte aller Zeiten produzierte. Einigermassen gelungen ist nur das folgende:

I am so sorry

I am so sorry I ate your chocolate
Just sitting, no, staring there
I tried to convince myself you left it for me
You didn't. I know.
You wanted it. All.
I am so sorry you never found out I ate it

Aber nun ja, ich hab gelesen ein unerfahrener Schreiber liest seinen ersten Entwurf und jammert, das sei desastroes, das werde nie was, er koenne nix. Ein erfahrener dagegen sagt: Desastroes, das ist wunderbar, ich bin auf dem richtigen Weg! Und ueberhaupt ist noch nie was ohne einen Anfang geworden. Schluss mit dem Zagen!

Ich konnte mich die meiste Zeit gar nciht recht auf Suedostasien freuen. Weil ich fuerchte, wieder in ganz anderen Kulturen zu landen, wo meine Intuition so gar nciht funktionieren mag und ich mich staendig in einer gewissen Alarmzone fuehle. Aber auch, weil ich gar nicht mehr so arg reiseneugierig war und das Gefuehl hatte- Reisen, das kann ich nun ganz gut, nun auf zu Neuem, wie z.B. dem grossen Schreiben oder einer Umsetzung einer verrueckten Geschaeftsidee. Reich werden ist doch auch ein gutes Ziel. Und natuerlich bin ich furchtbar neugierig, wie ich mich in Deutschland fuehlen werde. Werde ich mich daheim fuehlen? Oder gleich wieder weg wollen? Bald, nach einigen neuen Abenteuern werde ich es wissen. Und so langsam kommt auch etwas Vorfreude auf. Waer ja gelacht - fahr ich endlich in Urlaub und will nicht mal!

Mittwoch, 14. April 2010

Erholung nach der Schrubberei






Ohja, ich hab maechtig geschlunzt. Kein Zeilchen in den Blog gestellt. Aber dafuer ein wenig an meinen alten Reiseabenteuern gearbeitet. Die Ostertage waren noch richtig zaeh. Ich hab gut verdient, ein wenig unter der Hand mit viel Arbeit und den normalen und nicht den Feiertagstarifen. Frueh aufstehen, Zimmer reinigen, Fruehstuecksgeschirr spuelen, zwei Stunden mit Danielle, meiner netten Mitbewohnerin auf dem Balkon geplaudert und dann wieder zurueck zur Abendspuelschicht. Mit Herman hat es bei der Gelegenheit nochmal gerumpelt, weil er es fuer noetig hielt, mich durch die Kueche zu schupsen. Da hab ich dann zurueckgefaucht und ihm auf sein "piss off", "don't fuck me around" das gleiche zurueckgegeben. Ist er nicht gewohnt, hat er damit quittiert, sich nicht von mir zu verabschieden. Daniel, der andere Koch, der mich gut unterhalten hat, auch wenn er mich manchmal arg tretzte, hat es geschafft, einen Tag vor mir Bungunyah zu verlassen. Das kam schnell und ueberraschend fuer die Chefin, die ihm das freilich maechtig uebel nahm. Ich habs alles ueberlebt. Die Chemikalien, die Zimmer, das Rueckenweh nach all der Spuelerei vornuebergebeugt im viel zu tiefen Waschbecken, die muerrischen und fluchenden Kollegen. Letztlich ist es wirklich kein grosser Unterschied in welchem Bereich man arbeitet. Es menschelt, es scheppert, es gibt echte menschliche Groessen und am Ende kann man nur versuchen, aufrecht durch all das zu gehen, das Beste zu geben und dann wieder weiterzugehen. Da kann man Putzfrau sein oder Vorstand. Keiner ist besser oder schlechter. Es gibt gute und schlechte Momente, die schlechten schrumpfen zusammen und die Laenge sowieso, aber ein paar lustige und nette Augenblicke bleiben doch. Ich habe ein klasse Zeugnis fuer einigermassen krisensichere Jobs (Bedienungen und Zimmermaedchen und Tellerwaescher braucht man doch immer irgendwo), ich habe neue Rollen gelernt und weiss, wie es in der Gastronomie zugeht und vor allem habe ich Geld angespart und besser damit umgehen gelernt. So ist das. Profan...

Meine Abschiedsparty fiel ueberraschend duenn aus, irgendwie hatte keiner Zeit oder Lust oder was weiss ich. Ausser den Mitbewohnern kam uneingeladen die Tochter von Trini und eine ihrer Freundinnen. Irgendwie verzogen sie sich aber bald wieder als sie sich nicht willkommen fuehlten. Es war ein netter, ruhiger Abend, wir grillten, wir plauderten, ich mistete wieder einmal aus, packte und schon war alles gut. Na, fast. Als ich mit Danielle einkaufen ging und wir uns den Truck von Austin liehen, blieb der prompt am Berg stehen. Auweh, schlechte Position. Meine alten Antiautoleidenschaften kamen durch. Hinter uns war jedoch ein RACQ Mann, den ich schon kannte, da mir ein andermal ein anderer Truck stehen blieb (da hatte ich die Tueren durch ungewolltes Druecken einer Sperrtaste am Schluessel blockiert). Der Gute meinte, unser Benzin sei einfach leer und gab uns aus seinem Kanister, was wir zahlten und mit Trinkgeld belohnten. Wir waren sauer, hatten wir doch wirklich genug Geld einen Tag zuvor in den Tank gefuellt, aber unser stark mit "high five" und schwach mit Verantwortung und Geld Mitbewohner Austin hatte den Tank mal wieder leer gefahren. Wohin er damit ist weiss keiner. Ich habe ein Kinderbuch fuer Leo geschrieben und Danielle davon erzaehlt. Sie findet die Story so gut, dass sie begeistert ist, das Werklein zu illustrieren. Ich hoffe, es wird was draus! Sie wollte mcih auch hier besuchen und ich hoffe auch das klappt!

Ich habe genug Geld fuer Suedostasien und erhole mich nun in Bundaberg. Ah, Busch, gutes Essen, gemuetliche vier Stunden Arbeit in der Frueh. Und ja, da ist auch Leo. Ein veraenderter Leo. Gesund sieht er aus und hat viel mehr Energie. Isst vegetarisch, ist motiviert zu arbeiten und denkt ueber seine Zukunft nach. Sein Geld hat er verloren, seine von mir bewunderten Kochmesser ebenfalls, krank ist er bei Rolf und Robyn aufgetaucht. Sie haben ihn aufgenommen, gesundgepflegt und mit viel christlichen Werten geimpft. Es funktioniert alles ganz gut und ich hoffe nur, das bleibt auch so. Die Zukunft wird es zeigen.

Am 26. April fliege ich nach Bali, werde dort ein bisschen surfen, einen Kochkurs besuchen und die Landschaft hinreichend bestaunen. Ich hoffe, eine gute Transportmoeglichkeit nach Sulawesi zu finden, so dass ich dort zwei Wochen den Orangutans helfen kann. Ein bisschen kraxeln auf Mount Kinabalu in Borneo, ein wenig in Malaysien rumschauen, tauchen, essen, nochmal das tun, was ich fuer reisen halte. Und dann gehts wirklich und ehrlich nach Deutschland. Sogar ich glaube dran ;).

Donnerstag, 25. März 2010

Baeren bauen und Ausharren




Brav war ich. Hab dem Daniel, meinem Lieblingskollegen und Koch von Bungunyah, die weltbesten Brownies mit Schoki und Datteln gebacken (man hoerte das Adjektiv "divine"). Er hatte sich halb scherzend beschwert, dass ihm nie einer was kocht. Und dem Leo hab ich mit Hilfe meiner netten Mitbewohnerin Danielle und ihrer Naehmaschine meinen allerersten no budget Baeren gebaut. Ein sehr neues Terrain fuer mich.
Alle finden ihn sehr drollig, gerade wegen seiner gewollten Asymmetrien und Bunny hat sich ihn verliebt wie man seinem besonders dummen Grinsen dieser Tage entnehmen kann. Mit nett sein pack ich noch die letzten 8 Tage Arbeit! Ich kann Euch gar nicht sagen, wie sehr ich mich freu, wenn die Abschiedsparty einen guten Grund hat. Reisen, Spass, meine Schreibereien ueberarbeiten. Gut wird das!

Mittwoch, 24. März 2010

Immer locker weiter



Gottlob, ich habe meinen Computer wieder. Ohne Bildschirm und Tastatur scheint mir das Schreiben fast eine Unmoeglichkeit. Da laesst sich nix locker hinschreiben und aendern, keine Paragraphen verschieben – wie haben die Menschen frueher nur schreibgedacht? Ein vollbaertiger Computergeek namens James kam auf Anruf ins Haus, konstatierte, dass einfach D, eine Partition der Festplatte (solche Beschreibungen sind eine ausgezeichnete Gelegenheit, mich zu blamieren...) einfach verschwunden ist und kreierte sie irgendwie neu. Warum sowas verschwindet, weiss ich immer noch nicht. Ein Virus wars jedenfalls nicht. Vielleicht sollte ich doch einen wartungsaermeren Apple haben bzw. mir einen in Thailand kaufen. Von meinen freundlichen Plaudereien offenbar geschmeichelt hat er sechzig Dollar verlangt, was schwer in Ordnung war.

Auf einem Fremdcomputer jedenfalls habe ich eine Indienzugfahrt beschrieben und in der von mir frisch besuchten hiesigen Schreibergruppe gar Applaus dafuer gekriegt. Denen hatte ich mich frisch angeschlossen, weil ich mich zum Schreiben zwingen wollte. Ich war stolz und ermutigt, an meinen Reiseerfahrungen weiter zu feilen. Beim Zusammenkopieren meines Blogs kam ich auf 165 Seiten – wildes Rohmaterial gibt es also durchaus in einigen Mengen. Ich kann das, aber ich habs bis jetzt einfach nicht gemacht...

Ich verbringe freilich viel Zeit mit Planung fuer meinen Trip nach Suedostasien. Da huepfen die Orangutans durch die Baeume und ich wuerde ihnen das Leben gern als Freiwilliger verschoenern oder dramatischer teils gar retten. Da wir soviel Palmoel konsumieren, wird der natuerliche Lebensraum der Armen gerodet und Plantagen angebaut. Also keine Palmoelprodukte kaufen!
Ich will surfen in Bali, ein wenig Yoga treiben und buddhistischen Moenchen Englisch beizubringen scheint mir immer noch sehr erstrebenswert. Ernsthafte Dschungelwanderungen und 4000er warten dort und tauchen muss hinreissend sein. Und freilich boete sich das Kayakfahren an. Also eben mal eine Reiseroute gebastelt, die so verlockend fuer mich ist, dass ich nicht weiter ueber meinen Hoteljob nachdenken muss.

Nach der mit einem Staubsaugerkabel gekoepften Vase vor einem Monat habe ich diese Woche einen kleinen Weihnachtsbaum ueber den Haufen gefahren. Steht auch sehr unguenstig und die kleinen Kugeln kullerten ueber den Boden. In Windeseile versuchte ich sie wieder aufzuhaengen, aber die kleinen Haken schienen weitgehend verschwunden. So hatte ich neun Kugeln und konnte sie nicht unauffaellig haengen. Ich gestand der Chefin das Malheur, sie mahnte zu mehr Achtsamkeit und half Haken suchen, wobei wir nur drei fanden und ich somit die restlichen sechs Kugeln dezent verschwinden liess. Selbige haengen mir nun am Gewissen.

Herman, der hollaendische Chef hat sein fluchendes Temperament nun einmal gegen mich gewendet und mir ist die Laune vergangen. Wer es nicht schafft, zu allen Menschen, unangesehen ihrer Stellung gleich freundlich zu sein, ist kein wirklich netter Mensch. Da schreit er mit rotem Kopf durch die Kueche, dass er immer ander Leute Dinge reparieren muss an mich, die nun den dritten Monat nichts anderes macht als ander Leute Dreck zu beseitigen. Und dieses zuegellose Ausrasten gepaart damit, dass er immer recht hat, auch wenn sich Widersprueche zeigen, geht mir doch schwer gegen den Strich. Wer immer recht hat, hat beschlossen, nicht mehr zu lernen und verpasst damit das Wichtigste, das menschliche Weiterwachsen. Abgesehen von der Chefin hat er sich nun bei allen im Haus unbeliebt gemacht. Und ich war frueher nur gnaediger, weil ich nie Ziel seines Ausrastens war. Muss mein Urteilsvermoegen doch mal in einer ruhigen Stunde auf Objektivitaet befragen.

Ich brauche mittlerweile sehr viel Motivation, um taeglich zur Arbeit zu gehen. Die Raeume, die Teller, auch das Bedienen sind sicher alles keine intellektuellen Herausforderungen mehr und mir ist recht fad in dem Job. Ich bin teils ganz gluecklich, wenn ich einfach nur friedlich vor mich hindenken kann, aber mit all diesen graesslichen Chemieputzmitteln ist all das doch nicht allzu erspriesslich. Nebenher lese ich ein Buch mit dem Titel „Dirt Cheap“, in dem eine Journalistin auszieht, ein Jahr in schlechtbezahlten unqualifizierten Jobs zu arbeiten. Man ist doch letztlich ein Nichts und Niemand, wenn man so weit unten steht. Ich bewundere meine Kollegen, die seit Jahren Zimmer putzen ohne Aussicht auf Aenderung. Teils ist es selbstgewaehlt, aber das heisst nicht, dass es weniger hart ist. Und ein Leben mit einem besseren Gehalt und mehr Ansehen kann zu einem ganz aehnlichen Hamsterrad verkommen. Einzige Ausstiegsmoeglichkeit ist, erst menschlich und dann finanziell unabhaengig zu werden. An beidem beisse ich momentan. Sparen, nachdenken, besser werden. Und mich bloss nicht damit identifizieren, was ich zu einem bestimmten Zeitpunkt tue. Ich bin ein human being, kein human doing, jawoll!

Von Elizabeth und Vaughn bin ich nun zu Trinity, meiner lieben Bibliothekarin gezogen. Sie ist 48 und munter wie ein Teenager. Ich muss mir bestaendig wieder ihr Alter vorsagen, um es zu glauben. Sie beherbergt in ihrer Liebenswuerdigkeit nicht nur mich, sondern auch Austin, den amerikanischen Zeugen Jehova, der aus unserer Sicht ein wenig den Plot verloren hat, den er meiner Meinung nach nie hatte. Die Kueche ein Chaos, meine drei Liter Milch getrunken und trotz Versprechen nie ersetzt, Dauerfernsehen und keine Energie zu arbeiten- Austin war da! Trini will mich in ein Erziehungsprogramm einspannen, ich glaube eher, dass er selber seinen Weg wird machen muessen, auch wenn das nicht einfach sein mag, ist es vermutlich doch der einzig moegliche Weg. Seit heute haben wir auch zwei zahlende Mitbewohner, er ein Gaertner und Computergeek, sie eine Kuenstlerin. Es verspricht spannend zu bleiben.

Mit Austin steht mir wieder einmal ein Prachtexemplar von einem energielosen Fernsehgucker vor der Nase. Immer den Kasten an und nichts mit sich anfangen wissen, Junk Food essen und im Grunde am Leben verzweifeln, das aber hinter lustigen Computerspielen und vielen High Fives verstecken. Ja, das klingt nach Urteil. Ich sehe es eher als Beobachtung. Menschen, die sich in eine Schleife begeben, in der sie immer weniger Energie haben und einfach nur ungluecklich sind. Und dabei machen das doch alle...

Ich vermisse Leo, auch wenn ich mir bestaendig wiederhole, dass ich doch so einige Probleme mit der Trinkerei und der damit verbundenen mangelnden Geradlinigkeit und dem schwaechelnden Fokus und Durchhaltevermoegen hatte. Ich werde mich hoffentlich live von ihm in Bundaberg nach Ostern verabschieden, wo ich meine kreationistischen Wwoofingeltern Rolf und Robyn besuchen werde.

Ich lese viel, ich denke viel nach und ich frage mich, wie mich diese Reise veraendert hat:
Das Wichtigste fuer mich ist, dass ich mir gestanden habe, Erlebnispaedagoge sein zu wollen. Es hat dreissig Jahre gedauert und ich habe viele verschiedene Dinge lernen und testen muessen, aber das fuehlt sich nun richtig an. Ich brauchte die Zeit und den Abstand, um da Klarheit zu kriegen. Ich habe experimentiert und gelernt und vor allem habe ich unerschrocken weitergemacht. Wilde Jobs und Laender, drohender Geldmangel, Mangenverrenkungen und Einsamkeit. So eine Reise spiegelt doch sehr gut ein ganzes Leben und ich habe meinen ganz eigenen Reisestil gefunden. Ich habe die Menschen noch weit mehr lieben gelernt und fuehle mich unendlich zuversichtlich, dass alles gut bleibt und wird. Ich habe mich von Materiellem getrennt und mir ist klar geworden, dass das Leben eine Reise ist, auch wenn wir manchmal an einem Ort stehenzubleiben scheinen und gar nicht merken, wie wir uns doch immer ein klein wenig fortbewegen und weiterlernen. Ich werde wehmuetig, wenn ich daran denke, dass ich nun bald ein Kapitel meines Lebens beende. Dann aber wiederum weiss ich, dass das sowieso staendig so ist. Die Show muss weitergehen und kann auch gar nicht anders. Ich werde immer reisen, immer auf meine eigene Weise. Auch wenn ich fuer eine Weile an einem Ort bleiben sollte.

Freitag, 19. März 2010

Fast facts

Es ist alles gut! Ich werde in Bungunyah bis Ostermontag arbeiten, dann meine Freunde in Bundaberg besuchen und am 15. April sitze ich im Flieger nach Bali. War alles schoen billig, der Flug kostet mich 275 Euro mit Jetstar dem australischen Billigflieger. In Bali erwartet mich surfen und ich freue mich auf Orangutans in Borneo, tauchen, Ayurveda, kochen. Ohja, das wird wieder wild und aussergewoehnlich, aber sicher sehr erlebnisreich. Ein herrlicher Grund, mein hart verdientes Geld sauber zusammenzuhalten! Und Anfang Juni bin ich dann wieder in Deutschland, auch wenn ich diesen Flug noch nicht gebucht habe mangels exakt feststehender Reiseroute.

Mein Computer ist repariert, aber mein OpenOffice ward gefressen als eines meiner Laufwerke einfach verschwand. Und es war nicht mal ein Virus - sehr mysterioes, das.

Ganz bald sehr viel mehr von meiner Schreibergruppe, meinem Fitnesstraining, meinen weiteren Plaenen und der Schoenheit des hiesigen Lebens in meiner neuen Wohnung. Gut? Klar! Auf bald, Ihr Lieben!

Mittwoch, 10. März 2010

Alltag, Alltag, Alltag - nun kenne ich ihn auch!

Mit meinem neuen Fokus gen (brrrrrr, das Wort, das Wort!) Erlebnispaedagogik tut sich hier einiges in meiner Gesamtorientierung. Der Heimflug ist klar im Blick und ich recherchiere sooft ich nur kann im Netz, wo ich welche Ausbildung machen kann. Martin, ein lieber deutscher Freund, ist ein ganz ein Kluger. Er schlaegt vor, ich koennte kombiniert promovieren und so mit Philosophie im Hintergrund einen Erlebnispaedagogikabschluss machen. Wuerde mir ein komplettes weiteres Studium ersparen, ich koennte lernen, was ich will und habe sogar einen angesehenen Abschluss. Klingt zu schlau, um wahr zu sein!

Nein, es wird wohl doch nicht Suedamerika werden. Recherchen haben ergeben, dass ein Flug in diese Richtung gen Deutschland 3000 Euro kostet, ein gut geplanter durch Suedostasien 1000. Ratet mal, wohin ich fliege. Zumal man von Muenchen einen Rueckflug nach Peru fuer 1000 Euro buchen kann! Laeuft mir ja nicht weg, das Land und in Sumatra gibt es Orangutans und herrliche Nationalparks und ich kann sicher auch noch einen guten Platz fuer Freiwilligenarbeit finden. Ich habe einen "Southeastasia on a shoestring" Fuehrer bei Ebay erstanden und kann die konkrete Planung kaum erwarten.

Die Aepfel in Neuseeland fallen vermutlich dem Pragmatismus zum Opfer: Hinfliegen, zurueckfliegen, viel weniger verdienen, das ist es letztlich nicht wert fuer eine Erfahrung, die ich aehnlich schon gemacht habe. Ich wollte mir mehr Zeit zum Nachdenken geben, um weitere Schritte zu sehen. Aber da ich die nun klar im Blick habe, ist das Apfelpfluecken nicht das Ideale fuer mich. Und dabei faellt es mir doch so schwer, bereits Zugesagtes zu aendern und ich waere wirklich gern nochmal dort aufgetaucht.

Auch, ich gebe es zu, denke ich an den Leo. Ja, die Zeit, die die weniger guten Zeiten uebertuencht. Wir hatten ein nettes Telefongespraech, er hat sich fuer seine Drohungen entschuldigt und er meint, er will es besser machen, es ist ihm klar, was er falsch gemacht hat. Oh ja, das haben wir alles schon gehoert. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass er das Ruder doch noch rumreisst und ein Leben fuehrt, das ihn befriedigt und gluecklich macht. Ohne Alkohol und sonstiges Gift.

Auf dem Berg hat sich einer meiner Kollegen, Herman, der Koch, auch mir von seiner schlechten Seite gezeigt. Er hat immer recht, auch wenn man ihn klar widerlegt. Das kann tun, wer mag. Er wiederholt sich dann oder wandert woanders hin. Kommt gar nicht gut. Dann flucht er und bruellt ueber Dinge, die keiner getan hat. Ist ein Henkel von einer Aussenvase abgebrochen und ich musste natuerlich wieder mal die Andrea geben, weil doch sonst keiner was sagt, und ihm klarmachen, dass der Henkel vermutlich wegen Verwitterung und all der Jahre abfiel. Er schrie, er fluchte, ich war an allem schuld und ich war fassungslos, wie irrational sich dieser 54-jaehrige vor mir verhaelt. Alle anderen Kollegen stimmten ein, dass sie ihn einfach nur schnauben liessen, da helfe nix. Ich will all das nicht. Keine Dramen und kindische Aufregungen, kein wildes Getue und Getuschel. Das ist mir viel zu nervenaufreibend. Ich will meinen Job machen, mit den Kollegen in den Zimmern Kriminalgeschichten erfinden oder andere Albereien und die Zeit ueberstehen. Denn die wird mir momentan lang.

Die Fakten: Raum 7 vergisst einen Koffer. Die beiden Singles in Raum 8 haben dort nur geduscht und nicht geschlafen. Raum 1 hat viele Fliegen im Zimmer und Raum 16 darueber hat eine nasse Matratze mit einer anstaendigen Pfuetze. Eileen, meine englische Kollegin (Watson) und ich (Holmes)fuehrten die Evidenz zu folgender Konklusion: bei der Entdeckung in Raum 7 und 8 dachten wir noch an ein naechtliches Gemunkel und die folgende Verwirrung liess einen der Bewohner den Koffer vergessen. Die Entdeckung der anderen Raeume fuehrte dann aber zu einem Mordfall, wobei das Zimmer nur als Alibi gemietet war, der fliegenbesetzte Raum die Leiche eine Weile zu lange beherbergte und der darueber schlafende Zeuge ins Bett machte. Auch verstaendlich, selbst fuer einen jungen Kerl wie er einer ist. Der Koffer ist Bloedheit. Oder? Klar, wuerde ich meinen!

Meine Familie habe ich sehr, sehr lieb gewonnen, die Buben spielen stundenlang mit mir und haben sogar ein Knuddelbeduerfnis entwickelt. Sie haben sich auch daran gewoehnt, dass ich meine, was ich sage und Grenzen setze. Ich liebe das Zeichnen und ich lese viel. Bis Montag muss ich ein kleines bisschen Literatur produzieren, will ich mich doch der Schreibergruppe hier anschliessen. Bin schon ein bisschen aufgeregt und bastle an einem kurzen Ding ueber ein Zimmermaedchen. Da ist ein bisschen dieses haettekoenntesollte in meinem Hinterkopf. Warum hab ich nciht mehr versucht, Artikel ueber meine Reise zu verkaufen? Besser noch: warum nicht jetzt. Natuerlich ist mein kleiner Computer immer noch mit seiner vermutlich viralen Infektion darnieder, aber das reicht doch auch nicht als Entschuldigung.

Am Samstag ziehe ich zur netten Trini, einer Bekannten, die in der Buecherei hier arbeitet. Vaughns Mutter kommt aus Neuseeland zu Besuch und sie brauchen den Platz, wenn sie auch meinten, ich koennte im Notfall gern noch bleiben. Eine neue Bleibe bei einer netten Person, das wird sicher gut!

Ich trainiere viel, bin vor allem vom Zirkeltraining recht beeindruckt. Richard, der Fitnessstudiobesitzer, nimmt mich ordentlich ran, laesst mich bis zu 14.5 Kilometer in der Stunde sprinten und 12,5 Kilo Hanteln wuchten. Man verfaellt dem Fitnesswahn, ein wahres Novum freilich auf meiner Seite, kicher... Ich fuehle mich jedenfalls nach besserer Haltung und frisch gestaerkt. Wenn ich auch mit meiner zu fetten, zu fleischigen Ernaehrung gerade gar nciht gluecklich bin. Aber ich sehe nicht viel Wahl, werde ich doch im Restaurant bekocht und die Familie isst viel Fleisch.

Ich lese viel, ueber Finanzen (was machen die Reichen, und wie sind sie es geworden?), Gesundheit, das zufriedene Leben und meine weiteren moeglichen Reisen. Dazwischen zeichne ich und bekoche die Familie. Bill Granger, sag ich nur, ein neuer Favorit neben Jamie! All das haelt mich gut bei Laune bis ich noch ein paar Tage bei Rolf und Robyn verbringe und dann weiter auf grosse Reise gen Deutschland gehe.

Balde, ach balde, Ende Maerz, da schlage ich ein neues Kapitel auf. Und ich freue mich drauf!

Freitag, 26. Februar 2010

Das Zimmermaedchen war da

Ich bin zurueck auf meinem Berg. So etwas wie Alltag ist wieder eingekehrt. Ich arbeite wieder in Bungunyah. Da es nun aber Gavin gibt, der sich vor allem um Garten und Geschirr kuemmert, habe ich meist andere Aufgaben. Eine meiner Hauptaufgaben ist es makellose Zimmer auf absolut wahnwitzigem Niveau zu polieren. Ich saeubere also was laengst wirklich sauber ist. Zumindest nach meinem eben so gar nicht perfektionistischem Ermessen. Gail, meine sehr ambitionierte Kollegin meinte mit weit aufgerissenen Augen "Stell Dir nur vor, Du wuerdest in unserem Hotel uebernachten und ein Haar am Boden finden!". Oh ja, das schockiert eine, die in Indien mit sehr vielen Bettwanzen das Bett geteilt hat und Kloreiniger fuer Toiletten kaufte, die so etwas zuvor noch nie gesehen hatten. Aber nein, es geht darum, sich wieder einmal anzupassen. Ich werde fuer das Perfekte bezahlt und werde sogar dafuer gelobt, dass ich das Bett faltenfrei mache. Australische Betten sind sowieso ein ganz anderes Thema. Da werden Unmengen (bis zu sechs!) Kopfkissen ueberzogen und zwei verschiedene Riesenlaken gespannt. Dann kommt da eine Decke drauf, die auch wieder unter die Matratze zwecks Faltenfreiheit gezogen wird und dann kommt eine Tagesdecke drueber. Man hebt also staendig Matratzen herum, schiebt alles herum, faltet hier, faltet da. Eine endlos scheinende Prozedur, die in einem Bett muendet, das einem Kuvert aehnelt. Es bleibt einam als Schlaefer nichts anderes uebrig, als das ganze Zeug irgendwie unter den Matratzen wieder hervorzuzerren und selbst dann ist man in all diesen Lagen eingewurschtelt. Aber nein, so will das der Standard. Was kann ich da doch ein Loblied auf eine anstaendige Decke und ein Spannbetttuch singen! Dazu kommen Fussmatten, Handtuecher, sogenannte Facewasher (Minihandtuecher) und normale Duschtuecher, die natuerlich taeglich erneuert werden muessen. Interessant ist auch, wie viel verschiedenes Gift in den Zimmern verwendet wird. Glasreiniger, Vielzweckreiniger, Domestos, Duschreiniger, Bleiche, Toilettenreiniger, Spray and Wipe und Bleiche. Bleiche kommt in die bereitgestellten Tassen. Die sind dann zwar weiss, aber giftig. Sieht alles perfekt aus, ist aber wirklich nicht gesund. Auch ein Abdruck des Fusses einer Reinigungsperson auf dem Teppich kann zu halben Ohnmachtsanfaellen fuehren. Immer schoen vom Fenster zur Tuer saugen und beim Ausstecken des Saugers halb ins Zimmer fallen anstatt nochmal eine Spur zu hinterlassen. Man putzt sogar die Klimaanlage auf dem Balkon... All das dauert. Nun gut, solange ich fuer all das bezahlt werde... Das Vergnueglichste an all dem ist die Schatzsuche. Manchmal finde ich Muenzen auf oder unter dem Bett und Shampoos in der Dusche. Interessant, was Leute konsumieren, ob sie alle Milch und Kekse und sogar die kleinen Zuckertueten abstauben. Ausserdem meinte eine Kollegin, aha, ich sei nun wohl aufgestiegen, da ich mittlerweile auch als Bedienung taetig bin. Das ist so viel einfacher als das Geschirrspuelen. Ich huepfe in meinen schwarzen schicken OPshopklamotten herum, ernte neuerdings anerkennende Blicke von Kollegen und Gaesten und trage Getraenke und Essen herum. Mit dem Balancieren vieler Teller habe ich aber noch meine Probleme.

Mein Computer hat mich nicht mehr lieb, kein Programm will er ausfuehren. Dabei war ich so brav mit Firewall und Virenscanner. Nun ja, auch ich habe mich mit Alltagsproblemen rumzuschlagen.

Ich hatte eine Grossaktion zum Erwerb eines Fahrrads gestartet. Per Aushang kam ich an zwei Fahrraeder, die ein Ehepaar nicht mehr wollte. Kein Wunder- es handelte sich um platte Rostlauben. Das Fahrrad einer Kollegin war eine Steigerung, wenn auch die Schaltung nicht recht funktionierte, was bei den Bergen hier eindeutig ein Problem ist. Dann fiel aber einfach eines der Pedale ab und damit war nichts mehr zu holen. Einen Anruf hatte ich noch von einem Dave, der nach meiner Adresse fragte und am naechsten Tag ein aufgepumptes, rundum praechtig funktionierendes Fahrrad bei mir ablieferte. Alles bestens und ich bin derart gluecklich. Unabhaengigkeit, Transport! Zur Arbeit laufen und joggen und hitchhiken war doch ziemlich laestig...

Mit Elizabeth bin ich uebereingekommen, dass ich zehn Dollar fuer meine Verpflegung bezahle und weiter mithelfe. Die Familie ist sehr nett, man guckt aber sehr viel fern und es ist manchmal etwas anstrengend, dass immer sehr viel los ist. Die Kinder Zane und Xavier sind grosse Klasse, aber freilich laut und es herrscht mit den staendigen Bauarbeiten doch ein betraechtliches Mass an Chaos... Ich will manchmal einfach nur Ruhe, meditieren, lesen. Dann fluechte ich gen Buecherei oder Wiese.

Ich gebe zu, ich hatte ein kleines Tief letzte Woche, fuehlte mich etwas einsam, ziellos und vermisste den Schnee. Schnee, ach Schnee. Zwei richtige Winter verpasst, das ist doch traurig. Skitouren, seufz. Mit fast allem anderen werde ich ja gut fertig, aber das... Da war als Remedium Aktion das Richtige. Weiterhin viel Sport und Mails an meine lieben Freunde und vor allem weitere Recherche ueber mein nach Deutschland reisen und was ich dort tun will. Gegen Traurigkeit hilft nur ein emsiges Tun und am eigenen Schopfe herausziehen, jawoll!

Ich bin ziemlich begeistert ueber mein momentanes Fitnessprogramm. Ich, ja ich, bin jetzt erstmalig und fuer mich selbst sehr ueberraschend Mitglied im hiesigen Fitnessstudio. Vaughn nahm mich mit zum Training und irgendwie hat er schon recht, dass zu all meinem Ausdauersport mit Schwimmen, Radeln und Laufen Gewichte herumstemmen eine gute Ergaenzung waere. Wenn ich auch von den Uebungen zur Verbreiterung meiner Schultern nicht gar so arg beeindruckt bin. Wenn eines nicht mehr breiter werden muss, so sind das meine Schultern. Jedenfalls haenge ich nun an Klimmzugstangen und lasse mir die beste Hebetricks zeigen und kriege vor allem sehr oft von verschiedenen Menschen gesagt, wie stark ich doch bin, was mir freilich schmeichelt. Eine Schwimmlehrerin lud mich zu einer Stunde ein und zeigte mir gute Schwimmtechniktricks, so dass mein Butterfly doch viel besser und vor allem weniger anstrengend ist. Wir arbeiten an den Feinheiten!

Und nun das Beste zum Schluss. Es hat Fruechte getragen, mein Reisen. Ich wollte mir doch fern von allen meinen heimischen Einfluessen ueberlegen, was ich weiter machen will. Nun weiss ich es. Outdoor education, was im Deutschen leider leider den scheusslichen Namen "Erlebnispaedagogik" traegt. Vielleicht hat mich das Wort davon abgehalten, in Deutschland drauf zu kommen... Draussen sein, Menschen was beibringen, Sport, Natur, Gruppenarbeit, Lebensziele neu stecken, Kommunikation. Spass und was Sinnvolles tun! All das verbinde ich damit und forsche nun fleissig nach Verbindungen und weiterer Ausbildung. Der Gedanke an diese Karriere stimmt mich sehr gluecklich und ich hoere oft, dass man sich mich sehr gut fuer diesen Job vorstellen kann. Glueck, Freude! Kein quaelendes ewiges Hinterfragen mehr! Frank, der liebe Philosoph in Oxford, vermittelt mich mit einem seiner Freunde, der in diesem Bereich seit zwanzig Jahren taetig ist. Und da ich meine Heimflugplaene kuerzlich gen Suedamerika umorientiert habe, ist das umso besser, schliesslich ist Jon, besagter Outdoormensch meist dort unterwegs. So werde ich hier noch fleissig Geld sparen, hoffentlich noch ein paar Wochen in Neuseeland Aepfel pfluecken und dann ueber Suedamerika nach Deutschland fliegen. Kann sich freilich wieder mal aendern, scheint mir aber ein guter Plan zu sein.